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Nach 43 Jahren sagt Erika Polster Ciao

Erika Polster mit den Kindern
Datum:
Veröffentlicht: 21.9.17

"Regeln geben Freiheit"

Langensendelbach – Die einen Kinder malen ein Bild, die anderen spielen mit einem großen Puzzle und wieder andere betrachten Bilder in einem Buch. Es geht munter zu in der Katholischen Kindertagestätte Sankt Peter und Paul in Langensendelbach. Und mittendrin sitzt die 63-jährige Erzieherin Erika Polster aus Oberehrenbach und hört sich an, was die Kleinen zu erzählen haben. „Diesen Beruf würde ich immer wieder wählen“, sagt Erika Polster und ihre Augen werden ein wenig feucht. Denn die Erzieherin geht nach 43 Jahren in Rente. „Und bloß nicht fragen, wie es jetzt wird. Das weiß ich doch nicht“, meint die angehende Rentnerin und lacht schon wieder. „Das ist schon bewundernswert, dass sie so viele Jahre hier im Kindergarten gearbeitet hat, weil das ja auch anstrengend ist“, äußert Jasmin Wagner. Sie ist eine „Zugezogene“ und machte sich viele Gedanken, wo sie ihre kleine Tochter unterbringen könne. Sie entschied sich für die Kindertagesstätte in Langensendelbach, denn sie fand es gut, dass eine erfahrene Erzieherin sich um ihr Kind kümmert. „Frau Polster hat viel Lebenserfahrung. Und mir gefällt, dass es bei ihr Regeln gibt, aber sich die Kinder trotzdem geborgen fühlen“, erklärt Jasmin Wagner und Erika Polster entgegnet: „Ja, Regeln geben Freiheit.“

 Anders ist es bei Yvonne Reinfelder und Ramona Fees. Ihre beiden Kinder besuchen die Kindertagesstätte, die bereits ihre Ehemänner besucht haben. „Mein Mann Michael hatte damals schon die Frau Polster Und er fand sie toll. Deshalb sollte auch unsere Tochter Anni zu ihr“, erzählt Yvonne Reinfelder. Und Ramona Fees ergänzt, dass ihre Tochter ebenfalls in die Gruppe der früheren Erzieherin ihres Mannes sollte: „Unser Kind braucht die liebevolle Strenge von Frau Polster. Sie wurde so richtig zur Ansprechpartnerin für unser Kind.“ Die Mütter erzählen, dass es ihren Kindern wichtig ist, dass sie Erika Polster jeden Morgen begrüßen und sich von ihr verabschieden können. Und sie sind ein wenig traurig, dass die Erzieherin zum Ende des Monats geht. „Die jahrelange Treue ist ihr hoch anzurechnen. Erika Polster war immer da und man konnte sich auf sie verlassen“, erzählt die Leiterin der Kindertagesstätte, Anna Hack. Als junge Leiterin hatte sie viele neue Ideen, bei denen sie von Erika Polster unterstützt wurde. „Der Beruf ist mein Leben, aber jetzt wird es Zeit, denn ich will immer alles geben; aber es wird halt anstrengender“, sagt Erika Polster nachdenklich.

 „Wir sind 16 Jahre durch dick und dünn gegangen“, erzählt Kollegin Annemarie Drummer und ist gerührt. „Nicht weinen, Du musst noch durchhalten“, muntert sie Erika Polster auf. Und Kollegin Nadine Sebald erinnert sich an ihren ersten Tag vor drei Jahren. Damals wurde sie von Erika Polster sofort aufgenommen und unterstützt. Nadine Sebald erinnert sich auch an die Aussage der älteren Kollegin: „Wenn du was lernen willst, dann kommst du zu uns.“ Erika Polster selbst hatte im Oktober 1974 unter der Leitung von Schwester Adelsinde im Kindergarten Langensendelbach zu arbeiten begonnen. Sie erzählt, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wurde und man ihr ein familienfreundliches Arbeiten ermöglicht hatte. Beispielsweise konnte sie nach der Geburt ihrer Söhne in Teilzeit arbeiten. „Mich hat der Spruch von Friedrich Fröbel geprägt, der im Eingangsbereich der Grundschule in Oberehrenbach hing: Erziehung ist Beispiel und Liebe; sonst nichts“, erinnert sich die Erzieherin. Sie will neugierig bleiben, ihren Garten pflegen und das Leben am Dorf genießen. Und vielleicht hin und wieder zum Vorlesen in die Kindertagesstätte kommen.